© Birte Heckel-Neubert
Seit 2009 kümmert sich Birte Heckel-Neubert in ihrer Aufzuchtsstation in Schellhorn um Feldhasen und Wildkaninchen in Not. Doch ihre Arbeit ist alles andere als mit Kuscheltieren spielen...
Am frühen Morgen schrillt das Telefon, als Birte noch beim Frühstück sitzt. Die Anruferin hat ein verletztes Hasenbaby gefunden, das ihre Katze gefangen hatte. Eine Katze also - wie bei zwei Dritteln der Fälle. Zunächst schickt Birte die Frau am Telefon mit dem Hasen zum Tierarzt, wo er untersucht werden muss, bevor er von ihr aufgezogen werden kann. Sie seufzt traurig, denn sie weiß, dass sie nicht jedes Tier retten kann. Das musste sie schon ganz am Anfang erleben, als sie selbst zwei Feldhasenbabys fand und nur einer der beiden überlebte. Durch dieses Erlebnis kümmerte Birte sich intensiv um den Kleinen und wurde schließlich in diesem Ehrenamt tätig.
In ihrem Garten hat Birte separate Ausläufe eingerichtet, in denen sie die Tierkinder liebevoll pflegt und füttert, bis sie wildtierfähig sind. In einer Ecke kuscheln sich zwei Wildkaninchen eng aneinander, ihr hellbraunes Fell sieht ganz weich aus und darunter wirken ihre Körper völlig zerbrechlich. Es raschelt, als einer der Kleinen durch die Äste, die als Versteck dienen, hoppelt. Dann hebt Birte ihn vorsichtig mit einem Handtuch hoch. Man sieht, dass sie das nicht zum ersten Mal macht und Frau und Tier viel Vertrauen zueinander haben. Das kleine Stupsnäschen des Babys wippt rhythmisch auf und ab, als es aus der Flasche trinkt, die Birte ihm hinhält.
In freier Wildbahn werden die Kleinen jede Nacht von ihrer Mutter gesäugt. Birte hingegen muss ihren Schützlingen alle drei bis vier Stunden Nahrung geben. „Mittlerweile werde ich nachts aus Gewohnheit wach und stelle mir gar keinen Wecker mehr", berichtet sie. Doch an ihrem herzlichen Lachen erkennt man, dass ihr das nichts ausmacht.
Jetzt, im Herbst, befinden sich zehn Tierkinder in Birtes Obhut. Doch schon bald wird es ruhiger werden, denn die Babys werden vor allem von April bis Oktober zu ihr gebracht, wo Hasen und Kaninchen ihre Jungen kriegen.
Mittlerweile hat Birte über 2000 Jungtiere gepflegt, von denen sie ca. 50 % auswildern konnte. Jedes davon ist ein großer Erfolg für Naturschutz und Artenerhaltung. „Der Feldhase ist im Bundesgebiet schon gefährdet und das Kaninchen gilt als potenziell gefährdet. Wir sollten es nicht so weit kommen lassen, dass sie auf der Roten Liste landen. Deshalb liegt es mir so am Herzen, den Tieren zu helfen", sind Birtes berührende Worte dazu. Allerdings kostet ihr Job einiges: Zeit, Herzblut und leider auch eine Menge Geld. Deshalb ist die Hasenmama bereits in sozialen Netzwerken aktiv, um auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen und um Spenden zu bitten.
Beruhigend flüstert Birte auf das Kaninchen ein, während es zufrieden schmatzt. "Sie sind einfach so niedlich", schwärmt sie lächelnd. Eines ist klar: Menschen wie Birte können die Welt ein kleines Stück besser machen und manchmal sogar Leben retten - wie das der kleinen Hasen.
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