Hier geht es zu Engins Arbeitsplatz. © Engin Acikgöz
In einem Theaterstück wirkt immer alles perfekt: Die Lichter gehen im richtigen Moment an und aus, die Kulissen fahren hoch und runter und manchmal dreht sich der ganze Boden auf der Bühne wie von selbst. Um das alles möglich zu machen, braucht man viele Menschen. Einer davon ist mein Onkel Engin Acikgöz (45). Seit 23 Jahren arbeitet er am Schauspielhaus in Kiel. Er fing als Bühnentechniker an, doch seit über 15 Jahren ist er als Schnürmeister tätig. Von ihm erfahre ich spannende Details über seine Tätigkeit hinter den Kulissen. Eine Woche vor der Aufführung muss erst einmal ganz schön viel geprobt werden: Es gibt die Hauptprobe, die Kostümprobe und am Ende die Premiere. Während des Theaterstücks sollten die Mitarbeiter immer startklar an ihrem Platz sein. Doch wenn man einmal auf die Toilette oder irgendwo anders hingehen muss, ist das kein Problem. Denn, wie mein Onkel Engin berichtet, gibt es in jedem Raum Lautsprecher. Fünf Minuten vor ihrem Einsatz ertönt eine Ansage an die Person, die gleich gebraucht wird. Auf die Frage, welche Momente besonders hektisch seien, antwortet Engin, dass dies eigentlich immer die Vorbereitungen bei den "Technischen Einrichtungen", auch "TE" genannt, seien. Manchmal etwa hat ein Regisseur extreme Vorstellungen, die man entweder finanziell oder technisch nicht umsetzen kann. Natürlich läuft im Theater und während eines Theaterstücks auch immer mal wieder etwas schief. Dies sei laut meinem Onkel gang und gäbe. Als Schnürmeister musste er zum Beispiel oftmals erleben, dass sich die Drehscheibe der Bühne nicht richtig drehte. Dazu erzählt er mir von einem lustigen Ereignis: Bei den Proben wurde ihm gesagt, er solle einen Gegenstand während der Aufführung auf eine grüne Markierung stellen. Vorher war dies mit normalem Licht geprobt worden, während des Theaterstücks war das Licht jedoch gedämpft, sodass er die Markierung nicht erkennen konnte. Ein unangenehmer Moment für meinen Onkel, denn aus der Sicht des Publikums sieht es seltsam aus, wenn ein schwarz gekleideter Mensch auf die Bühne kommt und nicht weiß, was er machen soll. Engin mag am meisten das Familiäre an seinem Job. Alle seine Kolleginnen und Kollegen pflegen einen vertrauten Umgang miteinander. Wegen dieser familiären Atmosphäre mag er es, an einem etwas kleineren Theater zu arbeiten. Nicht so toll sei aber, dass er immer in Schichten arbeiten müsse. Vor allem für Menschen mit Familie sei das nicht so gut. Interessant an seinem Job sei aber, dass er berühmte Schauspieler kennengelernt habe, wie zum Beispiel Zacharias Preen und Uwe Ochsenknecht. Alles in allem ist Engin sehr glücklich darüber, diese berufliche Laufbahn eingeschlagen zu haben, und er empfiehlt jungen Leuten, in diesem sehr abwechslungsreichen und interessanten Beruf zu arbeiten.
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