Billige T-Shirts, ständig neue Kollektionen und volle Schränke, die Modewelt dreht sich immer schneller. Was passiert mit Kleidung, wenn wir sie nicht mehr wollen? Wie kann Mode nachhaltig werden?
Ich habe mit Jens Sandtmann, Händler für unverkaufte und gespendete Kleidung, gesprochen. Er gibt aussortierten Stücken ein zweites Leben und spricht über Verantwortung, Konsum und den Wert von Kleidung.
Können sie sich bitte vorstellen?
"Ich bin Jens Sandtmann, 55, Jahre alt und Groß- und Außenhandelskaufmann in Hamburg. Nach dem Abitur begann ich 1989 eine Ausbildung in einem Recyclingbetrieb. Recycling steckte damals noch in den Kinderschuhen. Nach acht Jahren als Angestellter gründete ich im Jahr 2000 meine eigene Firma. Wir kaufen unter anderem Altkleider an und verkaufen sie weiter.“
Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie?
„Nachhaltigkeit heißt für mich: Ein Produkt wird wiederverwendet oder seine Lebensdauer wird verlängert. Also Wiederbenutzung.“
Wie tragen Sie dazu bei?
„Es gibt mehrere Gründe, warum Kleidung aussortiert wird: A: Sie ist nicht mehr gewollt, B: Sie passt nicht mehr, C: sSe ist kaputt. Wir können nur A und B verwerten. Kleidung muss in gutem Zustand sein, damit wir sie weiterverkaufen können. So halten wir sie länger im Umlauf."
Fast Fashion – wie ordnen Sie diesen Begriff ein?
„Fast Fashion ist ein Oberbegriff. Für mich bedeutet es vor allem schnelle Produktion: Ein T-Shirt wird entworfen, hergestellt und innerhalb von zehn Wochen verkauft. Öffentlich wird der Begriff oft mit schlechter Qualität und schneller Entsorgung verbunden. Fast Fashion erfüllt Bedürfnisse: Je billiger das T-Shirt, desto mehr kauft man. Problematisch wird es, wenn die Umwelt oder Arbeitsbedingungen darunter leiden. Das muss jeder für sich bewerten.“
Was passiert mit Kleidung aus Altkleidercontainern?
„Beim Roten Kreuz z.B. wird die Kleidung gesammelt, sortiert und als Kiloware weiterverkauft. LKWs bringen sie in Länder, die Bedarf haben. Ob sie dort bei Bedürftigen ankommt, sei dahingestellt. Das Rote Kreuz erhält einen prozentualen Anteil des Werts. Also ist es eine Umwandelung von einer Sachspende in eine Geldspende.“
Stimmt die Vorstellung, dass gespendete Kleidung Bedürftigen zugutekommt?
Das Stimmt nur zum Teil. Von 100 % sind nur etwa 50 % wiederverwendbar. Ein Teil wird zu Dämmmaterial oder Putzlappen verarbeitet. Der Rest wird weltweit exportiert ein kleiner Teil landet bei sozialen Einrichtungen oder in Second-Hand-Läden. Das sind vielleicht zwei Prozent.“
Was sind ihre Hoffnungen für die Zukunft der Modeindustrie?
„Wir belügen uns selbst. Wir wollen eine saubere Umwelt, kaufen aber Kleidung, die im Ausland unter umweltschädlichen Bedingungen hergestellt werden. Wenn wir Mode wollen, die perfekt aussieht, hochwertig ist und nachhaltig produziert wird, könnten die meisten sie nicht bezahlen.
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