© von:EvaFuchs
Ist Weihnachten für euch ein entspanntes Fest der Harmonie und Liebe, weil alle Zeit und Geld haben, dann braucht ihr hier nicht unbedingt weiterzulesen.
Kennt ihr das: „Es ist Weihnachten und alle sind im Stress! Eure Eltern haben Berufe in denen sie am heilig Abend oder den Weihnachtstagen noch arbeiten müssen, oder eure Verwandten bestehen darauf vorbeizukommen und das alljährliche Weihnachtsfest mit euch zu feiern, oder ihr sollt sie besuchen und habt für all das gar keine Kraft? Der Höhepunkt ist meistens noch, dass mindestens einer nicht weiß, was er den anderen schenken soll und die Verzweiflung macht das Chaos noch komplett."
Der Druck, dass alles wie im Bilderbuch abläuft, ist bei vielen so groß, dass ganze Familien zusammenbrechen.
Im letzten Jahr hatten wir als Familie keine Lust mehr auf Weihnachten, dabei ist es eigentlich das, worauf ich mich am meisten im Jahr freue. Die Freude war wie ausradiert, durch all die Erwartungen. Alle hatten nur noch das Gefühl noch zu funktionieren.
Eine Idee musste her und wir fragten uns als Familie: „Geht das nicht anders?"
Zuerst stellten wir uns die Frage, was wollen wir überhaupt von Weihnachten und was ist uns wichtig. Es kamen interessante Dinge raus, zum Beispiel, dass wir unsere Verwandten zwar gerne treffen, aber nicht im Stress und nicht alle gleichzeitig oder gehäuft hintereinander. Die paar freien Weihnachtsstunden nach der Arbeit der Erwachsenen wollten wir für uns selber haben.
Geschenke waren uns nicht wichtig. Es ist schlimmer sich Stress zu machen, weil man auf den Tag genau Geschenke haben soll - und umgekehrt sich im Stress über Geschenke freuen soll, obwohl man sich gar nicht mehr freut, wenn alles so erzwungen ist.
Einer meinte plötzlich: „Eigentlich brauche ich keinen Weihnachtsbaum, ich würde in der Zeit lieber mehr spielen."
Der nächste meinte: „Ich möchte alles machen aber nicht an einem Tag und das mit dem schenken nervt mich, weil ich gar keine Überraschungen mag, außerdem fällt mir nie was ein."
Noch jemand meinte: „Ich mag gar nichts Süßes!"
Aber alle waren sich einig, das sie Raclette, Brettspiele und einen guten Film mögen. Geschenke auch, aber nur welche, die man wirklich braucht oder tauschen kann.
Da saßen wir und die Lösung war so nah! Eigentlich wollten wir alle das gleiche:
1. Verwandte ja, aber nicht direkt an Weihnachten und nicht alle zusammen.
2. Geschenke ja, aber ohne Zwang.
3. Raclette, damit jeder mithilft und nicht einer alles macht.
4. Süßigkeiten direkt an Weihnachten konnte keiner mehr sehen. Und das liegt bei uns daran, das in den Wochen zuvor überall Süßigkeiten gebacken und angeboten werden, wo immer man geht und steht.
5. Wir wollen Weihnachten fröhlich sein.
Wir kamen uns erst etwas komisch vor, aber dann haben wir uns schnell darauf geeinigt, dass wir als Familie glücklicher sind, wenn wir die Rituale an uns anpassen, damit Weihnachten für uns wieder schön ist.
Und was soll ich sagen, wir haben es tatsächlich geschafft. Mit vielen individuellen Ideen und einer großen Portion Humor.
1. Verwandte werden um Nikolaus herum oder zwischen Weihnachten und Neujahr und nur an Tagen eingeladen, an denen wir alle frei haben. Niemals an den Weihnachtstagen direkt, die gehören nur uns.
2. Geschenke gibt es nicht mehr an Weihnachten, sondern an einem Sonntag um den 1. Dezember herum, wenn alle Zeit haben und im Beruf der Eltern noch kein zu großer Stress herrscht.
Für diesen Tag haben wir eine Weihnachtstombola erfunden. Wir basteln 100 Lose und jeder der einen Einfall hat, kann das ganze Jahr dafür im voraus basteln oder Geschenke finden. Aber die meisten bitte so, das sie sich verbrauchen. Z. B.: Eisgutscheine, selbstgemachte Gutscheine (wo man etwas freiwillig tut - z. B. Tee kochen, vorlesen usw.), Dinge, die die Familie sowieso braucht, selbstgemachte Süßigkeiten (zum Beispiel einzelne Kekse) oder Geschenke, die für bestimmte Familienmitglieder gedacht sind. Die Geschenke sind alle vorher einsehbar und werden mit Losnummern auf Tische aufgebaut. Dann ziehen alle gleichzeitig ihre ersten 5 Lose und jeder darf seine Geschenke auf den Tischen suchen. Dann kann man tauschen und weiter geht es mit den nächsten 5 Losen usw.
Das gute an der Weihnachtstombola ist, das es offen ist, wer welche Geschenke spendet und die ohne Ideen nicht müssen. Genauso freut man sich über manche Gewinne mehr, als über andere und kann dann tauschen. Dadurch müssen Menschen, die keine Süßigkeiten haben wollen, auch nicht so tun, als ob sie sich über Kekse freuen. Und diejenigen, die sich über Süßigkeiten mehr freuen als über anderes, können sich die ja eintauschen.
Manche Gewinne sind nur für bestimmte Familienmitglieder zu gewinnen und wenn einer diese Losnummer hat, aber nicht der Empfänger sein soll, muss er tauschen. So ist sichergestellt, dass persönliche Geschenkwünsche beachtet werden können.
So bleibt an heilig Abend genug Zeit für Raclette, Brettspiele und einen guten Film.
Das Experiment „Alternative zum Weihnachtsfest" war so gelungen, dass wir beschlossen haben Weihnachten weiter so zu feiern. Und die ein oder andere Familie haben wir schon ein bisschen damit angesteckt.