Lehrer zweiter Wahl?

Gymnasium Altenholz Gymnasium Altenholz 15. November 2017

Von Max Brandtner und Timon Bock
Kiel-Altenholz

Siebenhundertsiebenundfünzig.

Dies ist die Zahl der unbesetzten Lehrerstellen Mitte Juni in Schleswig-Holstein. Eine Lösung: Seiteneinsteiger. Dies sind zum Beispiel Physiker, Biologen und Informatiker, die trotz fehlender pädagogischer und didaktischer Ausbildung Lehrer werden wollen. Zum einen machen sie es, weil sie gern mit Kindern arbeiten möchten. Zum anderen, weil sie Geld verdienen müssen.

Aber sind das die richtigen Lehrer für uns? Was sind die Vorteile, was die Nachteile? Wir von der MISCH-Redaktion des Gymnasiums Altenholz haben uns dazu ein paar Gedanken gemacht - und hatten das Glück einen Schulleiter, dessen Name und Schule anonym bleiben soll, zu interviewen.

Die wichtigste Frage zuerst: Warum gibt es eigentlich den Lehrermangel in Schleswig-Holsteins Schulen? Dafür gibt es mehrere Gründe, erklärt uns der Schulleiter: die Zahl der Schüler steigt dauerhaft an, die Universitäten kommen nicht mehr hinterher mit den Studienplätzen und viele Lehrer gehen dieses Jahr in Pension. Um die Lücke zu schließen, werden neue Lehrkräfte gesucht. Auch Vertretungslehrer kommen verstärkt zum Einsatz. Hilft das alles nicht mehr, gibt es nur noch die Möglichkeit der Seiteneinsteiger.

Doch was genau ist überhaupt ein Seiteneinsteiger? Ein Seiteneinsteiger ist eine Person, die nicht Lehramt studiert hat, aber trotzdem in ihrem Fachbereich an Schulen unterrichten kann. So kann etwa ein Physiker, der seit sechs Jahren in einem Bereich der Physik tätig war und nun Unterricht geben möchte, eine Bewerbung an das Schulministerium schicken. Von dort aus wird diese dann mit den Stellenanfragen der Schulleiter verglichen. Stimmen genug Kriterien überein, kommt es zu einem Bewerbungsgespräch zwischen Physiker und Schulleiter.

Wenn der Kandidat alle Kriterien des Schulleiters erfüllt, durchläuft er ein zweijähriges Referendariat, um weitere Fähigkeiten und pädagogisches Wissen zu erlangen, die für einen qualifizierten Unterricht nötig sind. Am Ende dieser Ausbildung muss der Referendar eine Prüfung bestehen. Danach wird dann entschieden, ob er weiter unterrichten darf und sogar verbeamtet wird.

Nachfrage beim Schulleiter: Stellen Sie lieber Seiteneinsteiger als "echte" Lehrer ein? "Nein", ist seine Antwort, "das würde ich ganz sicher nicht". Das sei nur eine Notlösung. Klar gebe es auch Vorteile: Seiteneinsteiger bringen die praktische und berufliche Erfahrung mit. Aber am Ende hätten sie eben keinerlei pädagogische und didaktische Ausbildung. "Das macht es schwer, Personen zu finden, die gut mit Schülern umgehen können."

Fazit ist, der Seiteneinsteiger ist nur eine Notlösung und wird nicht in näherer Zukunft den Lehrer ersetzen.

 
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