„Sie haben wohl einfach vergessen mich zu ermorden.“

Gymnasium LütjenburgGymnasium Lütjenburg 23. November 2017

von Amelie Corves,

Wahlpflichtkurs Medienpraxis, Gymnasium Lütjenburg

Neuengamme, ein Ort mit einer schrecklichen Vergangenheit,
an dem grausame Dinge passierten. Dies ist gar nicht mal so lange her, nämlich
in der Zeit, wo Hitler und die Nazis regierten, das Konzentrationslager wurde
1938 errichtet um Menschen zur Arbeit zu zwingen und in den Tod zu treiben. Wir
machten als Schulklasse vor einigen Wochen eine Exkursion in die
KZ-Gedenkstätte um nachzuvollziehen, was die Inhaftierten dort als Alltag
empfanden.

Als erstes begann die Führung mit Randinformationen und
Jahreszahlen, die für den weiteren Verlauf der Exkursion zur Verständnis sehr
hilfreich waren. Wir begannen also uns auf dem Gelände einige bedeutsame Orte
anzusehen, um zu verstehen, dass die Menschen wortwörtlich „unmenschlich"
behandelt wurden. Wir sahen zum Beispiel die Zugschienen und einen alten Wagon
in dem man früher die Menschen zum KZ-Lager transportierte. Allein auf dem Weg
zu dem Lager mussten die Menschen schon erfahren, was sie dort erwartet. Auf
engstem Raum mussten die Menschen für mehrere Stunden oder Tage ohne Hygiene
oder jegliche Privatsphäre in den Zugwagons verbringen. Wir besuchten außerdem
den Ort an dem früher die Leichen verbrannt wurden. Dies war ein besonders
schlimmer Ort für die Inhaftierten, denn sie mussten die gestapelten Leichen
verbrennen und es war nicht selten, dass Mitglieder ihrer Familie oder ihrer
Freunde darunter waren. Die Leiterin erklärte uns, dass das Ziel des
Konzentrationslagers die Zerstörung der Inhaftierten physisch aber vor allem
auch psychisch war und die Arbeit in der Leichenverbrennung war zum Ziel
Letzteren. Anschließend haben wir uns noch einige andere Orte auf dem Gelände
angeschaut und durften außerdem in der Ausstellung drinnen selber erkunden, zu
welchen Bedingungen die Inhaftierten „leben" mussten.

Wir sollten uns spezielle Biographien anschauen und die Zeichnungen der ehemaligen Inhaftierten
durchsuchen. Zwei Klassenkameraden und ich wählten das Schicksal von Aleksandr
Choroschun. Aleksandr Choroschun, am 23.04.1917 geboren, war eines der Opfer an denen „medizinische" Experimente
durchgeführt wurden. 1942 begann sein schreckliches Schicksal durch die
Verhaftung der SS-Aufseher. Nach 2 Jahren harter Arbeit im Konzentrationslager
fingen die Experimente an ihm an indem er mit Tuberkulose Erregern infiziert
und als Versuchsobjekt für medizinische Forschungen eingesetzt wurde. Tägliche
Untersuchungen waren nun Standard. Nach einigen Tagen wurden ihm die
Lymphdrüsen für genauere Untersuchungen, ohne Betäubung entfernt. Ein Eingriff
dieser Art war damals komplett legitim und bedauernswerterweise die
Todesursache vieler Häftlinge, aber nicht für Aleksandr Choroschun, er
überlebte und wurde anschließend als Häftlingspfleger eingesetzt. Ein Jahr später wurde das Konzentrationslager
geräumt und die Häftlinge auf ein Kriegsschiff der SS namens Cap Arcona
gebracht, was versehentlich von ausländischem Militär bombardiert wurde.
Unfassbar aber wahr, auch dieses Ereignis überlebte Alexandr Choroschun. Nach
dem Krieg berichtete Alexandr von seinen schrecklichen Erfahrungen im
Konzentrationslager, ein Zitat von ihm: „Sie haben wohl einfach vergessen mich zu ermorden." Bis
zum 25.04.2007 lebte er in seinem Heimatland, der Ukraine sein Rentnerleben und
verstarb im Alter von 90 Jahren.

Die Lebensgeschichte von Aleksandr
Chroschun zu erfahren hat uns sehr mitgenommen und wir bedauern das damalige
Geschehen sehr. Wir haben durch die Exkursion erfahren, wie schlimm die
Zustände im Konzentrationslager Neuengamme waren und wir hoffen, dass sich mehr
Leute damit beschäftigen damit etwas Derartiges nie wieder vorkommt.

 
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