Ist Kiel inzwischen eine fahrradfreundliche Stadt?

Petter Antholz 18. November 2020 1 Kommentar(e)
© https://commons.m.wikimedia.org/wiki/File:Prellbock_an_der_Veloroute_10.jpg
Du möchtest diesen Beitrag bewerten? Dann kannst du hier bis zu drei Sterne vergeben.

Ich entdecke Kiel, schon seit ich klein bin, mit dem Fahrrad. Die meisten Wege innerhalb von Kiel fuhr und fahre ich mit dem Fahrrad. Dadurch habe ich viele positive Erlebnisse wie auch einige Schreckmomente erlebt. Deshalb stellt sich für mich die Frage, was noch fehlt, damit Kiel eine Fahrradstadt wird.

Insgesamt hat der Fahrradverkehr in Kiel sich von 1988 mit 8% im Binnenverkehr bis 2018 mit 19% mehr als verdoppelt. In den 70er und 80er Jahren wurden schmale Radwege konzipiert, die neben dem Fußweg verliefen. Seit Beginn der 90er Jahre entstehen immer breitere Fahrradwege und Fahrradstraßen in Kiel. Auf den Fahrradstraßen hat man als Radfahrer Vorrang. Entsprechend ist der Radler der tempovorgebende Verkehrsteilnehmer. Autofahrer müssen sich an das Tempo der Radfahrer anpassen. Außerdem sollen nur Autofahrer die Fahrradstraßen nutzen, die dort Anlieger sind.

In der Hansastraße, die erste Fahrradstraße Kiels, darf man als Radfahrer ohne Beachtung des einmündenden Verkehrs die Straße befahren. Dies erkennt man daran, dass die einmündenden Straßen aufgepflastert sind. Diese Aufpflasterung soll den Autofahrern verdeutlichen, dass die Fahrradfahrer Vorfahrt hab, jenes soll dem Fahrradverkehr Sicherheit verschaffen. Die Harmsstraße ist wiederum eine von vielen Fahrradstraßen, in der keine Aufpflasterung vorhanden ist, so dass für alle Verkehrsteilnehmer „rechts vor links" gilt. Die unterschiedlichen Regelungen scheinen vielen Verkehrsteilnehmern nicht bewusst zu sein, da es immer wieder zu Konflikten kommt.

Die Sicherheit für Fahrradfahrer muss aber nicht nur auf den Fahrradstraßen, sondern auch auf den normalen Straßen gewährleistet und verbessert werden. Inzwischen wird immer häufiger der Autoverkehr mit dem Fahrradverkehr vermischt. Durch diese Vermischung der Verkehrsarten drosselt man das Tempo. Michael Ritz, Mitglied der ADFC-Ortsgruppe Kiel und ehemaliger Vertreter im Fahrradforum Kiel, gibt zu bedenken, dass eine Tempodrosselung vor der Zusammenlegung des Straßenverkehr vollzogen werden muss. Dadurch könnte vermieden werden, dass der Radfahrer dazu beiträgt, das Tempo zu verringern. So könnte man Konflikten zwischen Auto- und Fahrradverkehr vorbeugen.

Ein gutes Beispiel, um das Fahrradfahren sicher zu gestalten, ist die „Veloroute 10". Sie ist eine breite, schnelle und lange Fahrradstraße, die verschiedene Wohngebiete und die Universität miteinander verbindet. Sie verläuft auf dem alten „Gütergleis West" und reicht vom „CITTY-PARK" bis zum „Holstein Stadion". Außerdem ist die "Veloroute 10" nur für Fahrradfahrer zugelassen, was das Fahren entspannter und sicherer macht. Fußgänger sind nur da erlaubt, wo es einen Fußweg am Rand gibt.

Wenn man bedenkt, dass schon vor Corona 42 Prozent der Deutschen zwischen 18 und 70 Jahren angaben, das Fahrrad in der Freizeit viel zu nutzen, stellt sich die Frage, was getan werden muss, damit die Deutschen das Rad als alltägliches Verkehrsmittel für den Weg zur Arbeit nutzen. Laut Michael Ritz sei es besonders wichtig, einen guten und schnellen Straßenbelag zu verwenden, so wie er auf der „Veloroute 10" vorzufinden ist. Wenn das Fahrrad ruhig und mit kaum spürbarem Widerstand rollt, bringt Radfahren Spaß. Ebenfalls ist es wichtig, dass die Straßen breit und ruhig sind. Entsprechend müssen es nicht unbedingt gekennzeichnete Fahrradstraßen sein, durch die man in Kiel fährt. Wohnstraßen, die diese Beschaffenheit vorweisen, sind auch geeignet.

Was allerdings noch dringend notwendig ist, um mehr Radfahrer auf die Straße zu bringen, ist, die einzelnen Fahrradstraßen durch ein weiteres Wegenetz miteinander zu verbinden. Vom Westufer zum Ostufer zu kommen oder von Holtenau nach Meimersdorf zu fahren, ist weiterhin ein großes Problem. Auch dass bei der Verkehrsplanung für Neubaugebiete die Planung von Fahrradstraßen oft ungenügend beachtet wird, ist für die die Förderung des Radverkehrs nicht vorteilhaft. Weiterhin müssen Fahrradwege gut ausgeschildert sein, um zügig von einem Ort zum anderen zu gelangen. Für ADFC-Mitglied Ritz sind all diese Punkte wichtig, um Radfahren in Kiel attraktiver zu gestalten.

Kiel ist inzwischen fahrradfreundlicher geworden. Aber es muss noch einiges getan werden, damit wir von der Fahrradstadt Kiel reden können. Um Schreckmomente für Auto- und Radfahrer zu minimieren, bedeutet es immer noch, dass wir aufeinander Rücksicht nehmen müssen.

 
1 Kommentar(e)
  1. Peter Walter
    24. November 2020

    Eine Tolle Reportage

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert