Mobbing an Schulen

Pia Loreen Borchardt, Klasse 8a, Ricarda-Huch-Schule 20. November 2020
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Mobbing an Schulen

Kiel. Immer wieder hört oder liest man von Mobbing. Ob nun Cyber-Mobbing, Mobbing an Schulen oder am Arbeitsplatz, die Bereiche, in denen es zu Mobbing kommen kann, sind vielfältig.

Gehen sie mal über einen Schulhof, was sehen sie? Sie sehen Gruppen von Kindern, die miteinander lachen und spielen, Gruppen, die verschwörerisch flüstern, und die Einzelgänger. Die Einzelgänger sind meist baldige Mobbingopfer oder sind es bereits, da sie keine Freunde haben, nicht die richtige kleidung tragen oder eben einfach anders sind.

Was aber bedeutet Mobbing überhaupt? Mobbing beschreibt das wiederholte, vorwiegend seelische Schikanieren, Quälen und Verletzen eines einzelnen Menschen. Das kann von ganzen Gruppen oder auch nur einer einzelnen Person ausgehen. Zu den typischen Mobbinghandlungen gehören zum Beispiel Demütigungen, Gewaltandrohung oder das Verbreiten falscher Tatsachenbehauptungen.

In einem Interview mit einer von Mobbing betroffenen Schülerin sowie mit Frau Christina David-Pakula, Schulsozialarbeiterin der Ricarda-Huch-Schule Kiel, wollen wir das Thema Mobbing an Schulen einmal genauer beleuchten.

Ein sehr treffendes, wenn auch schockierendes Beispiel, gerade für die heutige Zeit, zeigt der Mobbing-Fall einer heute 13-jährigen Schülerin. Diese wurde aufgrund Ihres Vornamens gemobbt. Sicher kennen alle die Sprachassistenten, Siri, Alexa und Co. Nun ja, wenn man Alexa heißt, wie die Schülerin aus unserem Interview, kann man sich sicher vorstellen, dass es den ein oder anderen geben wird, der einen flotten Spruch auf den Lippen hat und sich mit Fragen wie zum Beispiel: „Alexa, wie wird das Wetter", oder: „Alexa, was gibt es Neues", konfrontiert sieht. Für den Betroffenen kann so etwas sehr verletzend sein, denn seinen Namen sucht man sich ja nicht selbst aus. Wenn dann auch noch das notwendige Selbstbewusstsein fehlt, wird eine solche Situation schnell zu viel für einen Teenager.

Im Fall der 13-jährigen Alexa führte diese Art des Mobbings letztlich dazu, dass sie die Schule, ja sogar den Ort der Schule wechselte, um den Attacken ihrer Mitschüler, nicht nur in der Schule, sondern auch in der Freizeit zu entgehen.

Nicht viele reden darüber warum sie gemobbt wurden da sie sich dafür schämen. Alexa berichtet:"Ich fand es natürlich nicht gut gemobbt zu werden. Hinzu kam, dass ich nicht nur wegen meines Namens gemobbt wurde, damit hat nur alles angefangen. Ich fühlte mich allein. Weil ich keine wirklichen Freunde hatte, konnte ich mit niemandem darüber reden. Somit habe ich alles in mich hineingefressen."

Bei vielen kehrt das Mobbing wieder zurück, auch wenn sie die Schule gewechselt haben. Man kann nämlich nicht ausschließen, dass Kinder von der alten Schule auf die neue wechseln, glaubt auch Alexa: "Ich glaube schon dass das Mobbing wieder zurückkommen kann, denn es ist nicht ausgeschlossen, dass Mitschüler meiner alten Schule auf meine jetzige Schule wechseln. Oder man kennt sich untereinander, unabhängig von der Schule, auf die man geht. Da kann es durchaus sein, dass Gerüchte oder andere hässliche Dinge, für die ich damals gemobbt wurde, über mich erzählt werden."

Die meisten Mobbing-Opfer reden auch Jahre nach dem Mobbing nicht gerne über ihre Gefühle, denn sie wollen sich nicht daran zurückerinnern, was sie Schlimmes erlebt haben. Auch Alexa verfolgt ihre Erfahrung: "Im Moment geht es mir gut und ich bin froh, den Schritt gegangen zu sein, die Schule zu wechseln. Dennoch frage ich mich hin und wieder, warum sie das damals gemacht haben. Was habe ich Ihnen getan? Ich suche wahrscheinlich immer noch die Schuld bei mir, obwohl meine Familie mich darin bestärkt und mir immer wieder sagt, dass mich keine Schuld trifft."

Was Alexa erlebt hat, erleben viele Schüler und Schülerinnen in den unterschiedlichsten Ausmaßen. Was aber sind die Auslöser dafür und was können Eltern, Freunde, Lehrer oder auch Schulsozialarbeiter tun, um Betroffenen zu helfen?

Auslöser für Mobbing-Attacken können zum Beispiel Langeweile, Wut oder Hass, Unzufriedenheit, Probleme zuhause oder Neid sein. Was noch viel schwieriger ist, ist zu erkennen, dass jemand im eigenen Umfeld gemobbt wird. Dazu habe ich Frau Christina David-Pakula, Schulsozialarbeiterin der Ricarda-Huch-Schule Kiel, befragt. Es gebe viele Erste Anzeichen für Mobbing, man kann einige von ihnen aber auch mit anderen Sachen verwechseln: "Wesensveränderungen, also wenn ein zuvor aufgeschlossenes, lebendiges Kind plötzlich eher still und zurückhaltend ist. Es kann aber auch das Gegenteil eintreten und ein eher ruhiges, unauffälliges Kind ist plötzlich laut und rebellisch." Wann mobbing beginnt kann man laut David-Pakula nicht genau sagen: "Eigentlich beginnt Mobbing bereits im Kindergarten, typisch und tatsächlich als Mobbing wahrnehmbar ist aber eher die Zeit zwischen der 5. und 7. Klasse. Erst, wenn man länger als 3 Monate gemobbt wird, gilt man als Mobbingopfer."

Man kann vielen Mobbingopfern meist nicht helfen, wenn dann nur in langsamen Schritten."Man kann in erster Linie nur zuhören und dem Mobbingopfer zu verstehen geben, das nicht sie schuld daran sind, gemobbt zu werden, sondern die Mobber ein Problem haben. Das stärkt im besten Fall das Selbstbewusstsein und ermutigt dazu, sich weiter zu öffnen und Hilfe zu suchen. Damit es soweit aber erst kommen kann, muss das Mobbingopfer sich auch trauen, mit jemandem darüber zu sprechen. Dies stellt die größte Herausforderung dar", so David-Pakula.

Auch die Folgen sind meist sehr schwerwiegend. Man muss sie rechtzeitig wahrnehmen und auch behandeln, damit sich Schülerinnen und Schüler von den Mobbing-Attacken erholen. Für die Schulsozialarbeiterin der Ricarda-Huch-Schule ist klar: "Oh, diese sind vielfältig. Von körperlichen Anzeichen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Ess-Störung, soziale Isolation, Angststörung bis hin zu Depressionen und sogar Selbstmordgedanken ist, denke ich, alles dabei."

Man kann viele Dokumente und Artikel über das Thema Mobbing finden. Doch es gibt meist nur eine geschätzte Prozentzahl, die Dunkelziffer wird meist nicht beachtet. So schätzt es auch David-Pakula ein: "Ich kann mir vorstellen, das jeder Schüler mal Erfahrungen in Sachen Mobbing gemacht hat. Die Anzahl an betroffenen Schülern lässt sich meines Erachtens nach aber nur schwer schätzen, da es immer auch eine Ziffer gibt die in keiner Statistik oder Studie auftaucht."

Wenn man in diesem Wissen nun durch die Straßen geht, betrachtet man die Welt mit anderen Augen, man sieht glückliche Menschen und Menschen, die einsam zu sein scheinen und damit auch nicht glücklich. Trauen sie sich und gehen sie auf Sie zu, sprechen Sie mit ihnen und retten Sie sie damit vielleicht vor einer unschönen Erfahrung.

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags veröffentlicht regelmäßig Studien zum Thema Mobbing. So auch zuletzt 2018. Hier hat unter anderem die PISA-Studie, eine laufende Befragung von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern, die alle drei Jahre wiederholt wird, ergeben, dass in Deutschland im Durchschnitt 16 Prozent der Schülerinnen und Schüler von Mobbing-Vorfällen betroffen sind. Jungen waren zu zwei Prozent mehr von Mobbing betroffen als Mädchen.

Weitere Informationen zu den Studien des Wissenschaftlichen Dienstes finden Sie hier: https://www.bundestag.de/resource/blob/592494/4ee825520cb3b29d7a6c0b6555f01657/WD-9-056-18-pdf-data.pdf

 
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