MS Gaarden: Wirklich besser als die alten Dampfer?

Mathis Abegg, Klasse 8a, Ricarda-Huch-Schule 18. November 2020
© Foto: Frank Behling
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KIEL. Nebel liegt über der Förde. Die Sonne geht gerade am Horizont auf, als man leise den Motor der MS Gaarden hört. Nach dem aktuellen Winterfahrplan startet sie bereits zum dritten Mal in Möltenort um 7:10 Uhr in Richtung Friedrichsort auf der Fördelinie 1. Beim Abfahren ertönt zum ersten Mal an diesem Tag das sehr erlektronisch klingende Signalhorn der Fähre. Immer wieder trifft man Fahrgäste, die sich freuen mit der neuen "Gaarden" zu fahren.

"Die SFK möchte gerne umweltfreundliche oder klimafreundliche Schiffe aufs Wasser setzen. Und auch Schiffe, die mehr Fahrräder transportieren können als die bisherigen Schiffsmodelle", sagt die ÖPNV Pressesprecherin der Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel, Andrea Kobarg. Sie erklärt, dass die MS Gaarden mit Hilfe eines Plug-in-Hybrid-Antriebs fährt, das heißt, dass die Fähre durch zwei Elektromotoren angetrieben wird. Mit jeweils 225 kW Leistung kann das 32 Meter lange Schiff bis zu 300 Fahrgäste barrierefrei transportieren. Der Strom für die Motoren kommt aus Batterien, die während der Fahrt durch zwei jeweils 305 kW starke Generatoren aufgeladen werden. Diese wiederum beziehen ihre Energie aus Flüssiggas, welches man "Gas to Liquid" nennt. Die Batterien werden aber zum größten Teil an der Ladestation am Bahnhofsanleger geladen. Durch diesen Antrieb stößt die Fähre deutlich weniger CO2 aus und ist umweltfreundlicher als die alten Fähren. So kann die SFK ihr Ziel, klimafreundlich zu werden, eher umsetzen.

Als die MS Gaarden an diesem windigen Tag in Friedrichsort anlegt, lässt der Mitarbeiter der SFK die hydraulische Brücke von innen per Knopfdruck herunter. Er findet dies sehr praktisch, da man sie nicht wie die alten Brücken per Hand auslegen muss. Für Fahrradfahrer stehen im freien Eingangsbereich 40 Ständer bereit, die Lademöglichkeiten für Elektrofahrräder bieten. Außerdem fallen die beiden neumodischen Türen auf, die elektrisch öffnen und barrierefrei sind. Hinter den Türen befindet sich das Hauptdeck, welches viele Sitzmöglichkeiten bietet und durch die vielen großen Fenster sehr offen wirkt.

Die Treppe nach oben zum Touristendeck befindet sich mittig auf dem Schiff. Die Sitze sind, im Gegensatz zu den Sitzen unten, deutlich weicher und stehen an einem Tisch. Von hier aus gelangt man auf das vordere und hintere Freiluftdeck. Da das Schiff sehr leise über das Wasser gleitet, hört man den Wind pfeifen und die Möwen kreischen. Die Anzahl der Sitzgelegenheiten auf der Terrasse erscheint deutlich geringer als auf den bisherigen Fördedampfern.

Mit 4,5 Millionen Euro Baukosten ist die Gaarden der erste Neubau von insgesamt vier Hybridschiffen. Am 13. November wurde gerade erst in der Werft Holland Shipyard die vollelektrische MS Düsternbrook vom Stapel gelassen. Diese soll Anfang 2021 in Kiel ankommen und auf der Schwentinelinie eingesetzt werden.

Die MS Gaarden ist praktisch konstruiert, da das Hauptdeck speziell für Pendler konzipiert wurde, die nur kurz auf dem Schiff bleiben, und die Touristenebene für Fahrgäste, die länger verweilen möchten. Die SFK erfüllt hiermit ihre Ziele, einen attraktiven ÖPNV auf der Förde anzubieten. Im Vergleich zu den alten Fähren ist die MS Gaarden deshalb die Zukunft der Kieler Schlepp- und Fährgesellschaft.

 
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