Vom Glücklich sein

von Viktor Engfer, Klasse 12b, RBZ am Königsweg 19. November 2020
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Essay zum Thema Glück
Es ist Samstag früh. Die anstrengende Schulwoche ist endlich vorbei, ich liege in meinem Bett und der Regen prasselt auf die Fenster meines Zimmers. Ich liege zugedeckt und eingekuschelt in einen Haufen aus Decken, neben mir meine Katze. Meine Augen sind geschlossen. Ich lausche dem Regen, atme tief ein und wieder aus. Mein Körper kribbelt und ich spüre eine gewisse Wärme und Gelassenheit, die von Kopf bis Fuß durch meinen Körper strömt. Ich fühle mich zufrieden... Ne, anders gesagt, ich fühle mich glücklich. Aber wieso?
In der letzten Woche hat nichts so funktioniert, wie ich es mir gerne gewünscht hätte und auch meine Klausur, die ich wiederbekommen habe, war ein Reinfall. Doch was ist es? Ist es mein Haustier, das mir Wohlbefinden gibt, oder die Ruhe, nach der ich mich lange gesehnt habe. Meine Gedanken verfliegen, wie die Blätter im Wind. Mein Kopf wird leichter und ich kann mich immer weiter entspannen. Vielleicht bin ich glücklich, weil ich mir jetzt keinen Stress mehr um irgendwelche Dinge machen muss. Auf jeden Fall genieße ich es.
Mein Kopf springt auf Montag zurück, als ich nur Stress und keine Zeit für mich selbst und Freunde hatte. Schon mach ich mir wieder hunderte Gedanken und meine Zufriedenheit und Glücksgefühle verschwinden langsam. Wieso kann man nicht mal glücklich sein und seinen Kopf frei haben, anstatt sich immer nur Gedanken zu machen?
Ich öffne meine Augen, falle aus meiner Trance, setzte mich aufrecht, greife zum Handy und gebe ins Internet „Glück" ein. Von der einen auf die andere Sekunde werden mir ewig viele Ergebnisse angezeigt. Ich scrolle und überfliege zugleich die Antworten. „Glücklich ist man mit Freunden", „nach Glück kann man streben", „Glück ist eine Formel der Chemie". Ich lese immer weiter, bis ich eine Schlagzeile finde, „Das Geschäft mit dem Glück". Es wird über den Umsatz von Glückspielen in Deutschland geschrieben und ob man sein Glück versuchen sollte, dort zu gewinnen. Doch geht es um Glück oder doch eher um Zufall? Es wird mir ein Balkendiagramm gezeigt über die Einnahmen von Glücksspielen im letzten Jahr, ob man mehr Glück hat oder nicht. Ich scrolle ein wenig weiter, finde aber nichts, das mich zufrieden stellt.
Ich lege mein Handy weg und denke über meine Kindheit nach, als ich mir noch nicht den Kopf über alles Mögliche zerbrochen habe, sondern die meiste Zeit glücklich war. Wenn ich mal geweint habe, dann weil ich nicht raus durfte oder über das Essen gejammert habe. Je älter ich werde, desto mehr denk ich nach, zerbreche mir den Kopf über viele Dinge und immer mehr Probleme kommen auf mich zu. Eh' ich mich versehe, hab' ich schon wieder mein Handy in der Hand und gucke mir alte Bilder an. Welch eine schöne Ausstrahlung ich doch hatte, im Vergleich zu heute. Fröhlich. Charismatisch, unbesorgt war ich damals. Auf einmal sehe ich ein Bild von mir und meiner ganzen Familie. Ich schaue es einige Zeit an, dutzende Gedanken schwirren durch meinen Kopf, ich kann meinen Blick davon nicht abwenden. Ich möchte es beschreiben, doch mir fällt nichts ein. Die sonnigen Augen meiner Eltern, der vergnügte Blick meiner Geschwister, das begeisterte Lachen meiner Großeltern strahlen mir ins Gesicht und dann noch ich. Ich sehe... sehe glücklich und zufrieden aus, wie ich mit meinen großen Augen in die Kamera gucke. Ich wünsch mir die Zeit von damals zurück.

 

 

 
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