Wie eine rote Schlange im Arm - die Sepsis

Frederik Volkmann, Klasse 8a, Ricarda-Huch-Schule 19. November 2020
© David Dorward, Ph.D.; National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID)
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Die Sepsis, eine unterschätzte Gefahr

Der rote Faden, der sich erst am Morgen bemerkbar machte, zog sich wie eine Schlange an meinem Arm hoch. Zehn Minuten später fand ich mich angsterfüllt im Krankenhaus wieder. Alles verursacht durch die scharfen Zähne eines doch so klein scheinenden Tieres: die flinke Hausratte meines Freundes hatte mich am Vortag in mein rechtes Handgelenk gebissen, woraufhin Bakterien den Weg in meine Blutbahn gefunden hatten.

Bis zu diesem Zeitpunkt war mir der Ausdruck "Sepsis" noch völlig unbekannt und ich ahnte nicht, dass mein Leben auf dem Spiel stand, denn eine Blutvergiftung gilt als medizinischer Notfall und gehört in ärztliche Behandlung. Die Unterschätzung einer Blutvergiftung bedeutet nämlich schlimmstenfalls den Tod. Meist werden die Symptome viel zu spät oder erst gar nicht erkannt, keine guten Voraussetzungen, da die Überlebenschance nach fünf Stunden nur noch circa 40 Prozent beträgt. Erstaunlich ist, dass nur etwa jeder zweite etwas mit dem Begriff Sepsis anfangen kann, obwohl an dieser schweren Infektion rund 154.000 Menschen bundesweit pro Jahr erkranken. ,,Für die dritthäufigste Todesursache Deutschlands besteht nicht genügend Aufmerksamkeit", so der Anästhesist Andreas Schulz-Benick, der sich regelmäßig mit deren Operationen beschäftigt.

Allerdings müsste man zunächst einmal die eigentliche Entstehung der Sepsis betrachten. Eine Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt, entsteht nicht, wie häufig angenommen, durch die Anwesenheit von Krankheitserregern im Blut, sondern durch die Reaktion des Körpers auf diese. Das Immunsystem versucht sich gegen die Erreger zu wehren, doch schadet dieser Kampf nicht nur den Eindringlingen, sondern auch dem Körper selbst. Viele lebenswichtige Organe sind betroffen und hören auf zu funktionieren, da die Immunzellen des Körpers in Kontakt mit Erregern und deren ausgeschiedenen Substanzen kommen. Dadurch entstehen Entzündungen, Gerinnungsstörungen und Blutgefäßschäden, die ein Multiorganversagen verursachen und somit zum Tod führen können.

Nachdem die Symptome der Sepsis erkannt sind, wird der Schweregrad festgestellt und daraufhin eine Behandlung durchgeführt. Die typischen Anzeichen einer vermuteten Blutvergiftung sind erhitzte, gerötete Haut, hohes Fieber - über 38°C -, Verwirrtheit, Schüttelfrost, beschleunigte Atmung, beschleunigter Herzschlag, blasse oder graue Gesichtsfarbe, der Blutdruck fällt, die Zahl der weißen Blutkörperchen ist erhöht und der Blutkreislauf kann zusammenbrechen. Ich habe mich dabei hauptsächlich geschwächt und angestrengt gefühlt und hatte keine Motivation, etwas zu tun.

Je nach Schweregrad der Vergiftung werden bestimmte Maßnahmen ergriffen. Bei einem milden Verlauf mit leichten Symptomen wird vorerst ein Antibiotikum gegeben, allerdings sind die Erreger manchmal multiresistent, was den Heilungsprozess verkomplizieren kann. "Der Infektionsherd muss operativ beseitigt werden, damit sich die Entzündung nicht auf alle Organe ausbreitet", sagt der Mediziner. "Im schlimmsten Fall muss der Patient mehrere Operationen über sich ergehen lassen und liegt lange Zeit im Krankenhaus."

In meinem Fall musste der Arm dreimal operiert werden, weil die Zähne der Ratte sich so tief in das Gewebe gebohrt hatten, dass sich immer wieder Entzündungsherde bildeten. Nach zwei endlosen Wochen des Herumliegens im Krankenhaus konnte ich endlich mit Gipsschiene wieder am normalen Leben teilnehmen. Falls mich in meinem Leben noch einmal ein Tier beißen sollte, wird mich mein Weg unverzüglich zum nächsten Arzt führen.

 
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