Tierheim: Endstation oder Neuanfang?

Rebecca Weller 18. November 2021 1 Kommentar(e)
Ein Blick in die treuen Augen von Taco und Nacho und ein jeder erliegt ihrem Charme. © Rebecca Weller ©
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So ist die Lage im Tierheim Uhlenkrog

Kiel Der Regen tropft unregelmäßig auf den Boden, aus der Ferne dringen das Bellen von Hunden und das Miauen von Katzen ans Ohr. Der Wind streicht sanft durch die verfärbten Blätter des Waldes, der das Tierheim umgibt. Mit neugierigem Blick schauen die Katzen aus den Fenstern und zeigen, dass ihr Leben noch vor ihnen liegt. Die kleinen Münder öffnen sich immer wieder und locken mit ihrem Miauen die Blicke der Besucher auf sich.
Das Tierheim Uhlenkrog steht schon seit 147 Jahren für Tierschutz. Ebenso lange ist es für viele Menschen die erste Anlaufstelle, wenn es darum geht, Tiere abzugeben, aufzunehmen oder Hilfe für die Tiere in Anspruch zu nehmen. Ein Tierheim dient der vorübergehenden artgerechten Unterbringung der Tiere. In einem Tierheim steht nicht die Gewinnerzielung, sondern das Wohl der Tiere im Vordergrund.
Der fordernde Beruf des Tierpflegers, dessen Arbeitstag schon um 7 Uhr früh beginnt und an den langen Tagen um 18:30 Uhr endet, trägt größtenteils dazu bei, dass es den rund 360 Tieren an nichts fehlt. Während dieser Arbeitszeit erledigen die Pfleger allerhand. Darunter zählen die Begrüßung der Tiere und die Kontrolle, ob es ihnen gut geht, Reinigung der Unterbringungen, Fütterung, Beratungsgespräche mit Interessenten für eine Tiervermittlung, Tierarztbesuche, Training der Hunde, Fütterung gegebenenfalls mittags wiederholen, Aufnahme von Fund- und Abgabetieren, Abholung verletzter Wildtiere und Abendfütterung.
All das klingt zwar nach einer fest geplanten Routine, doch eine Mitarbeiterin des Tierheims erklärt: „Diese Tätigkeiten werden immer wieder unterbrochen von Notfällen etc. - Es passieren täglich Dinge, die nicht ‚auf der Tagesordnung' stehen."
Diese Unterbrechungen sind jedoch kein Grund, den Beruf nicht auszuüben. Das Tierheim beschäftigt 28 Angestellte in Vollzeit.
Zu den Tieren, die im Tierheim leben, zählen Hunde, Katzen, kleine Heimtiere, Ziervögel, ein paar Reptilien, Wildvögel, Igel und sogar Hühner. Am meisten sind Hunde, Katzen, Tauben und Möwen vertreten.
Das Gelände des Tierheims bietet ausreichend Platz für alle Tiere und der Außenbereich der Hunde unterliegt momentan einem Ausbau. Neben Quarantänestationen gibt es das sogenannte „Katzenhaus". Ist dieses einmal betreten, dringt das, durch die Glastüren gedämpfte Miauen der Vierbeiner, ans Ohr. Die leichte Brise, die durch das Öffnen der Tür in den Flur gelangt ist, hinterlässt eine Gänsehaut. Die Schuhe klappern bei jedem Schritt über den Fliesenboden, der vom Wischen noch leicht in der Sonne glänzt. Es riecht nach Reinigungsmittel und Katzenstreu.
Jede Katze verfügt über einen eigenen Bereich, den manche auch mit Geschwistern teilen, der mit einer Katzenklappe verbunden ist, die in einen Außenbereich führt. Jedes Katzenzimmer ist so eingerichtet, dass es den Tieren an nichts fehlt. Zwei Kinder schauen durch die Glastüren zu den Katzen. Sie sehen so aus, als wollten sie sich am liebsten zu ihnen kuscheln. Mit sehnsüchtigen Blicken schleichen die Tiere auf ihren Samtpfoten geradewegs in unsere Herzen.
Die Geschwisterkätzchen Taco und Nacho sind als Fundtiere ins Tierheim gekommen und sind dort aufgepäppelt worden. Nun sind die beiden langsam bereit in absehbarer Zukunft, am liebsten gemeinsam, in ein fröhliches Katerleben bei lieben Menschen zu starten.
Ohne die Hilfe des Tierheims hätte das Schicksal der beiden anders ausgesehen.
Nicht nur Katzen werden wieder aufgepäppelt. Jedes Tier, bekommt die nötige Hilfe. Es gibt allgemein mehr Aufnahmen als Abgaben. Laut einer Mitarbeiterin sind „viele krank und verhaltensauffällig". Trotzdem erzählt sie: „Während der Zeit des Lockdowns stieg die Nachfrage nach Tieren immens - nun haben wir eine sehr große Zahl an Anfragen für Abgabetiere."
Auf die Frage, ob genug Futter für die Tiere vorhanden sei, antwortet Frau Mensing: „Glücklicherweise ja."
Wenn man sieht, wie die Münder während des Miauens auf- und zugehen, ist die Sehnsucht, die Katzen zu streicheln oder gar zu adoptieren, überwältigend.
Für einige Menschen ist es jedoch nicht im Rahmen des Möglichen, ein oder mehrere Tiere aufzunehmen. Im Tierheim Uhlenkrog gibt es aber für diese Menschen, mit dem Erreichen der Geschäftsfähigkeit, die Möglichkeit, eine Tierpatenschaft zu übernehmen. „Tierpatenschaften sind bei uns eine rein finanzielle Unterstützung. Für die Bewegung und Beschäftigung der Hunde und Katzen kommen ehrenamtliche Helfer zu uns in das Tierheim. Dies ist nicht an eine Patenschaft geknüpft." Wie viel eine Tierpatenschaft kostet „das entscheidet jeder Pate selbst. Kommt ganz auf den ‚Geldbeutel' an", erklärt Frau Mensing mit einem Zwinkern. Generell sei finanzielle Hilfe eine ganz große Unterstützung. „Es gibt viele Dinge wie Baumaßnahmen, Tierarztkosten, Personalkosten, die einfach nicht auf anderem Weg abgefedert werden können."
Bei den Tieren, die schließlich vermittelt werden, handelt es sich manchmal um Neuzugänge, aber auch oft um „Langzeitbewohner". „Die Freude ist aber umso größer, wenn ein ‚Langzeitbewohner' endlich sein Zuhause gefunden hat."
Möchte eine Person ein Tier aufnehmen, wird diese ausführlich über das einzelne Tier informiert. Ebenfalls werden die potentiellen Besitzer geprüft, damit klargestellt wird, dass die Bedürfnisse der Tiere erfüllt werden. „Ansonsten muss man die gleichen Voraussetzungen und Überlegungen mitbringen wie bei der Anschaffung von Tieren aus anderer Herkunft."
Am Ende des Besuchs, fällt es schwer, sich vom herzallerliebsten Anblick von Taco und Nacho loszureißen. Das Herz fühlt sich leicht und schwer zugleich an. Durch den Spalt des geöffneten Fensters dringt das leise Miauen nach draußen. Die durchdringenden Blicke von Taco und Nacho sind noch nach dem Verlassen des Geländes im Rücken zu spüren.

 
1 Kommentar(e)
  1. Jordan
    25. November 2021

    Diese Reportage ist gut geschrieben und sie geht einem richtig ans Herz. Super gemacht!

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