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Ukraine-Krieg, Fake News, Lokales: Das beschäftigt MiSch-Entdecker in Kiel

Philipp Scheithauer 7. März 2022
Die vierten Klassen der Johanna-Mestorf-Schule hatten beim Redakteursbesuch der Kieler Nachrichten viele spannende Fragen vorbereitet © Frank Peter

Viele Fragen, aber auch schon viel Wissen: Die vierten Klassen an der Johanna-Mestorf-Schule zeigen beim MiSch-Besuch, dass sie sich schon gut auskennen, wenn es um die Zeitung geht. Diese Themen interessieren die Schüler besonders.

 

Von Philipp Scheithauer

Ein Junge steckt seinen Kopf vom Pausenhof durchs Fenster. „Sind Sie der Reporter?" Die Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen an der Johanna-Mestorf-Schule sind auf Zack – das wird beim Redakteursbesuch der Kieler Nachrichten schnell deutlich.
Mit ausgeschnittenen Zeitungsschnipseln in der MiSch-Mappe (Medien in der Schule) sitzen sie neugierig in der Aula. Wie ein richtiger Reporter haben sie einen Frage-Antwort-Bogen auf dem Schoß liegen, den Stift gezückt. Schließlich sollen sie selbst einen kleinen Bericht über den Besuch schreiben und dafür das Führen eines Interviews üben. An Themen mangelt es hier nicht. Der erste Finger in Reihe eins schnellt schon vor der Vorstellungsrunde in die Höhe.
Politik, Wirtschaft und Sport: Schüler in Meimersdorf zeigen sich vielseitig interessiert
Doch bevor die Schüler mich mit ihren Fragen rund um den Beruf eines Journalisten löchern, berichten sie mir, was sie am meisten in der Zeitung interessiert. Die Tiefe, in der sie sich etwa mit Rubriken wie Politik und Wirtschaft auseinandersetzen, beeindruckt mich sofort. „Ich lese die Artikel über den Krieg in der Ukraine", sagt Lennart, „ich möchte schließlich wissen, was in der Welt los ist." Auch Luis beschäftigt die Situation im Krisengebiet Er sorgt sich, dass es zu einem Atomkrieg kommen könnte.
Jaron liest sich lieber die Wirtschaftsseiten durch, zudem blättert er regelmäßig durch den Sportteil. So geht es vielen seiner Klassenkameraden. Die meisten würden sich für Handball und Fußball begeistern, aber auch Basketball und Football seien spannend. Eine Schülerin ergänzt, dass Reiten und Turnen oft zu kurz kämen. Carolin stöbert dagegen eher durch den Kulturteil, künstlerische Themen würden sie fesseln. Lokale Themen seien für fast alle Kinder wichtig, da sie täglich etwas über das Leben in Kiel erfahren wollten.
Jetzt sind die Kinder an der Reihe und dürfen ihre Fragen formulieren. Jeder hat zu Hause mindestens drei vorbereitet, einige haben ganze Seiten vollgeschrieben. Wie entstehen Themen für die Zeitung? Wie viele Artikel werden täglich geschrieben? Wann muss die Zeitung für den nächsten Tag fertig sein? Wie verfasst man einen Bericht, wenn der Interviewpartner nicht mit einem sprechen möchte? Wie bekommt man Fotos für die Artikel, wenn sich die Geschichte weit weg von Kiel ereignet? Wie oft stehen Enten in der Zeitung?
Sorgfaltspflicht und umfassende Recherche: So kommen keine Enten in die Zeitung
Falschmeldungen kann man nur mit umfassender Recherche vermeiden, betone ich. Mehrere voneinander unabhängige Quellen seien notwendig. Ich berichte vom Pressekodex, dem sich Journalisten verpflichten – Sorgfalt steht dabei an oberster Stelle. Sollten dennoch einmal Fehler passieren, müssen diese richtiggestellt werden. Ich registriere mehrfaches Nicken, die Schüler scheinen zu verstehen, wie wichtig die Vorbereitung ist, bevor das Schreiben anfängt.
Hannah fragt, ob die Zeitung als Printausgabe noch eine Zukunft hat. Ich erzähle ihr, dass das klassische Printgeschäft vielerorts rückläufig ist, E-Paper-Ausgabe und Nachrichten im Internet aber deutlich mehr Flexibilität und Vielfalt bieten können. Und dass der Journalismus vor der Herausforderung steht, sich stetig weiterzuentwickeln und dabei auf Säulen wie eben die Verlässlichkeit von Informationen bauen muss.
Als die Schulstunde längst beendet ist und Mitschüler bereits wieder auf dem mit Sonne gefluteten Pausenhof spielen, stehen noch immer Kinder mit ihren Notizen vor mir, auf denen weitere Fragen stehen. Sie wollen noch mehr – und das ganz genau – wissen. Hartnäckigkeit kann nie schaden, um ein guter Journalist oder eine gute Journalistin zu werden.

 
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