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Feuer und Flamme

Hatice Akcay 11a (RBZ am Königsweg) 18. November 2022 1 Kommentar(e)

Anna: Ich habe den Chat zwischen dir und Johanna gelesen. Ich sehe doch, dass du mich betrügst! Du hast ihr gesagt, dass du sie liebst. Wie kannst du nur?! Ich wusste, ich kann dir nicht vertrauen.

Lukas: Also vertraust du mir nicht? Was bringt diese Beziehung, wenn du mir nicht blind vertrauen kannst. Siehst du nicht, wie sehr ich dich liebe? Weißt du nicht mehr, als ich dir gesagt hab, dass du die einzige bist? Wie ich jeden Abend vor deiner Tür stand, wenn es dir nicht gut ging? Wie ich dich vor anderen beschütze? Hast du das alles vergessen? Wenn du dich in drei Sekunden nicht entschuldigst, gehe ich und komme nie wieder.

Kommt dir das bekannt vor, hm?
Diese Art von Beziehung kennen wir doch alle.

Muss wohl toll sein, von seinem liebsten Partner ausgenutzt und manipuliert zu werden.
Anders kann ich mir es nicht beantworten, warum die Jugend toxische Beziehungen romantisiert.

Es ist uns allen nicht neu, dass gerade die Jugendlichen es schwer mit Depressionen oder Essstörungen haben. Dies können wir nicht nur der Schule in die Schuhe schieben, sondern auch der ach so tollen Liebe.
Obwohl ihnen bewusst ist, dass sie keine gesunde Beziehung führen, kleben sie förmlich an ihren Partnern. Fehlt es uns an Erfahrungen oder entwickeln wir und einfach wieder zurück? Welche Ironie!
Im Internet oder auf Demos jedem klarmachen, dass man Rechte hat und kein Objekt ist, aber vor dem eigenen Partner den Selbstrespekt verlieren. Als würde es nicht reichen, sagen sie noch, dass sie in der Lage wären, die andere Person zu ändern. Spielen wir hier den Superhelden, oder was?!
Sind sie zu dumm, das Falsche vom Richtigen zu unterscheiden oder fügen sie sich bewusst diese Schmerzen zu. Meist liegt es an toxischen Familienhaushalten. Die Jugendlichen schauen es von ihnen ab und kennen es nicht anders oder ein Elternteil oder vielleicht sogar beide Elternteile schenken dem Kind wenig bis gar keine Aufmerksamkeit, sodass das Kind diese Aufmerksamkeit woanders suchen muss.

Erstmal fängt alles traumhaft an. Sie verwöhnen dich, überschütten dich mit Komplimenten, schenken dir Unmengen an Liebe und Aufmerksamkeit, man fühlt sich wie in einem Märchen, bis es anfängt, in die andere Richtung zu gehen. Du bist Feuer und Flamme. Kontrollsucht, Egoismus, Ignoranz, Beleidigungen, Erniedrigungen, Abwertungen bis zur Gewalt, Drohungen. Symptome einer toxischen Beziehung. Doch es ist für die meisten zu spät. Das Opfer ist viel zu sehr abhängig von der Aufmerksamkeit und der Liebe des Partners, dass es sogar unmöglich für sie scheint, ohne diese Zuwendung zu leben. Sie verlieren sich selbst, haben jeglichen Selbstrespekt verloren und sind bereit, alles für ihren Partner zu tun. Warum alles für jemanden tun, wenn man nichts zurück bekommt?
Manipulation spielt auch eine große Rolle in der Beziehung. Es wird einem eingeredet, dass man immer für einen da ist und nie vorhat, etwas Schlechtes zu tun. Doch wenn das Opfer einen Fehler entdeckt und seinen Partner damit konfrontiert, drehen und wenden die Partner dieses Szenario, sodass sie einen Fehler bei dem Unschuldigen finden. Dies kann so schlimm enden, dass man sogar jeden eigenen Fehler gut redet.
Somit hat der Partner volle Kontrolle über das Opfer.

Doch sollte das Opfer einen Fehler machen, wird es bestraft. Es wird ignoriert oder ihm wird das Gefühl gegeben, als wäre es Luft und nutzlos. Gewalt ist auch nicht selten. Wenn der Partner beim ersten Mal merkt, dass das Opfer sich nicht wehren kann, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es wieder zu Gewalt kommt. Deswegen ist es sehr wichtig, sofort zu handeln, bevor es zu spät ist.

Ich leide selber daran. Nein, Ich bin nicht die naive, die alles für ihren Partner machen würde und nein, ich bin auch nicht diejenige, die ihren Partner manipuliert. Sondern, jetzt haltet euch fest, Ich muss mir den Spaß tagtäglich anschauen.

Ich stelle mich jeden Tag vor meiner besten Freundin und zähle ihr 100 Gründe auf, warum, in ihren Augen ein Prinz, in meinen Augen ein selbstsüchtiger pubertierender Junge, doch nicht so toll ist, wie sie denkt. Doch nach all den Powerpoint-Präsentationen und schlaflosen Nächten, die ich damit verbracht habe, ihr Geheule zu ertragen, kam nichts in ihrer Birne an. Sie streitet alles ab, selbst wenn ich es ihr beweise, schaut sie bewusst weg. Jetzt spielen wir auch noch Blinde Kuh?!
Sie könnte gerne mal die rosarote Brille abnehmen und den Bezug zur Realität wieder finden.

Und da liegt das zweite Problem. Von Selbstmissachtung bis zu toxischen Familienhaushalten, jetzt die Kirsche auf dem Sahnehäubchen..
Jugendliche haben viel zu viel Angst vor der Realität. Dabei ist sie doch gar nicht so schlimm, oder..?

Oder..?!

Anstatt sich Hilfe suchen, machen sie es sich gemütlich in ihrer Komfortzone.
Dabei spielt Angst auch eine große Rolle.
Angst, dass sie am Ende allein sind, Angst, dass sie nicht genug sind und so weiter.
Sie können dieses Risiko nicht auf sich nehmen. Dabei sind doch Jugendliche dafür bekannt zu rebellieren? Das Motto „no risk no fun" wird schnell zu „Ich liebe meine Komfortzone".

Also was lernen wir daraus?
Entweder du verlässt deinen toxischen Partner oder springst aus dem Fenster.
Denn so wie du dich behandelst, zeigst du schon, dass du dir nicht wert bist.

 
1 Kommentar(e)
  1. Lea Kutterolf
    22. November 2022

    Ein wirklich sehr guter Text, welcher das Thema toxische Beziehungen sehr gut aus dem Blickwinkel einer besten Freundin betrachtet. Die Worte sind zwar manchmal etwas harsch gewählt, aber trotzdem finde ich das du eine tolle Art hast dieses Thema rüberzubringen. Trotz dieser Härte in dein Worten steckt dahinter wahre Besorgnis, das merk man. LG Lea

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